Heute keine Neuerscheinungen! Eine Geschichte …


Heute kehrst du hier ein und morgen bist du schon längst wieder an einen anderen Ort. Du hast das Gefühl, dass die Zeit dahin rast. Doch halt stopp, was ist denn das? Ist da nicht gerade für eine Sekunde, nur für eine Sekunde, die Zeit stehengeblieben?
Wie eine Seifenblase in der Luft, wo dann der Alltag aus purer Lust, die Anordnung der Moleküle zerplatzen lässt: „Und du nicht!“ …

… Da sitzt der Alte im rasenden Zug. Er möchte gerne aus dem Fenster sehen, doch er sieht nichts, denn er erhascht nur ab und zu ein paar Fetzen, wenn die Bäume vorüber dreschen. So hat er längst resigniert, vorbei ist all seine Hoffnung, mit der er einst geboren wurde.
Ich setzte mich zu ihm und wir kommen ins Gespräch. Er erzählt mir vom Leben und wie es denn wirklich sei zu leben. Ich höre ihm zu und verstehe kein Wort: Begeisterung, die in Starrsinn endet; Ideale, die ins Nirgendwo verlaufen.
Er hatte eine Liebe, die ein Kind hervorbrachte und die Freude groß war. Doch was will man machen, sagte er. „Um meine Familie zu ernähren, musste ich schuften, mein ganzes Leben lang. Alles ist zerbrochen an der Sinnlosigkeit der Zeit. Jetzt sitze ich hier, reise mit dem Wahn in die Endlosigkeit, hinterlasse einen Scherbenhaufen…, nichts bleibt wie es ist. Aus der Traum, es hat sich ausgeträumt. Vorbei.“ Danach senkt er sein Haupt in seine Brust und erstarrt in der gleichen Resignation, so wie ich ihn zuvor fand.

Ich schaue aus dem Fenster: Herrlichste Winterlandschaft. Dort in der Ferne entdecke ich ein kleines Dorf mit einer Kapelle, daneben steht ein hell erleuchteter Weihnachtsbaum. In Gedanken sehe ich Kinder, die einen Tanz um den Baum proben und sehnlichst auf den Tag der Geburt ihres Heilands warteten. „Oh du fröhliche, oh du selige…“
Nach einiger Zeit ertappte ich mich dabei, dass ich leise Weihnachtslieder summe; in mir steckt so viel Hoffnung und ein ganz besonderer Glaube. Vieles möchte ich angehen, am liebsten die ganze Welt umkrempeln; schnell packe ich meine Tasche, denn der Zug hat meine Station erreicht und am Bahnhof werde ich schon erwartet.

Schneeflocken rieseln und unser Weihnachtsbaum strahlt im Vorgarten. Alles ist herrlich und ich vergaß den Alten …

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