„Elementarteilchen“ von Michel Houellebecq


Viel Düsterer kann es kaum sein!

Das Buch handelt von zwei Halbbrüdern, die sich erst im Teenager Alter kennen lernen. Beide tragen eine tragische Kindheit mit sich, und beide sind auf ihre ganz persönliche Art vom Leben gebeutelt. Michel sowie auch Bruno wurden direkt nach der Geburt zu den Großeltern/ Großmutter gegeben, denn ihre Mutter lebte nur ihr eigenes Leben – ihren Jugendwahn, da passte ein Kind nicht ins Konzept, liebte lange und ausschweifende Sexabenteuer, in mittleren Alter dann nur noch mit sehr jungen Burschen … Die Väter hatten auch keinen Bedarf und so wurden sie eben abgeschoben.

Bruno ist wohl aufgrund dessen auch total auf Sex fixiert, obwohl er körperlich   gar nicht so gut dafür ausgestattet ist. Und dieses Manko führt im Internat zu sehr schlimmen Demütigungen, Erfahrung mit älteren Jungs, die er sein Leben lang nicht vergisst. (Situationen bei denen es dem Leser anders wird!) Er ist ein Sex-Getriebener, obwohl ihn die Frauen, insbesondere die ganz jungen Mädchen, auf die Bruno ganz wild ist, abstoßend finden. Der Teufelskreislauf vom Wollen – Können und Ablehnung demütigt ihn immer mehr, bis er mit 42 zig Christiane kennen lernt …

Michel dagegen interessiert sich nicht die Bohne für Sex, für ihn ist diese ganze Geschichte völlig belanglos, generell hat er mit Emotionen nicht viel am Hut, denn er lebt in seiner eigenen kleinen Welt – Autismus. Die einzige Person die Michel einigermaßen an sich heran lässt, ist Annabelle, seine Jugendfreundschaft. Doch sein mangelndes Interesse an Sex, lässt gerade diese in die falsche Bahn abrutschen, weil sie sich von ihm abgelehnt fühlt. Dadurch werden beide Leben zerstört, sie finden sich zwar in der Mitte des Lebens wieder, doch ihr Glück ist vertan, Annabelle stirbt an Krebs …

Auch Christiane stirbt, zum Schluss auch Michel und Bruno endet in der Klapse! Das ganze Buch ist nur negativ!

Und dennoch mochte ich das Buch irgendwie. Zu einem ist es sehr intelligent geschrieben, mit vielen raffinierten Wechseln und kleinen Herausforderungen, die ich beim Lesen mag. Manche Gedankengänge von Bruno:

>>Die Entwertung geistiger und moralischer Verführungskriterien zugunsten rein körperlichen Kriterien führte dazu, daß die Stammgäste der Swinger-Clubs nach und nach zu einem leicht modifizierten System übergingen, das man als Phantasma der offiziellen Kultur betrachten konnte: das an Sade orientierte System.<<

und die meisten Gedankengänge von Michel waren kleine Mikrokosmen im Makrokosmus, die ich genossen habe – und deshalb gibt es von mir dennoch 3,5 Sterne!

 

DuMont Verlag 1999

OT: Les particules élémentares

Übersetzung: Uli Wittmann

ISBN: 3-7701-4879-7

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