„Hard-boiled Wonderland“ von Haruki Murakami


>Gewöhnungsbedürftig!<

Und damit meine ich zu einem den Aufbau, der in zwei konstant gegliederten Strängen abläuft und darüber hinaus die fiktive Handlung. Diesmal ist es nicht der magische Realismus, sondern pure Phantasie mit einem Hauch Wirklichkeit, darauf sollte sich der Leser einstellen.

Ich wusste es nicht, lese ja meist den Klappentext nicht, und hatte zunächst meine Schwierigkeiten mit dem Roman, vor allem mit dem Strang >hard-boiled wonderland<, der zudem noch wie ein Abenteuerroman aufgebaut ist, was ich gar nicht gerne lese. Grundsätzlich würde ich behaupten, dass Murakami seine Probleme mit dem Spannungsbogen hat, durch seine eher kühle Sprache und distanzierte Herangehensweise, kann er keine großen Emotionen vermitteln. Die Dialoge sind dazu zu flach, ohne menschliche Hektik oder Aufregung, meist geht die Spannung unter. Aber diese Ebene hätte es gebraucht.

In >hard-boiled wonderland< ist der Protagonist Kalkulator des Systems, der Gegenpol ist die Fabrik, beide Mächte bekriegen sich um eine neue Art von Datensicherung, die irgendwie durch Gehirnmanipulation stattfindet – verstanden habe ich das Ganze nicht, spielt aber auch keine große Rolle. Also dieser Protagonist kommt in die Situation von beiden gejagt zu werden, nur der Professor, der diese Speicherart erfunden hat, hilft ihn ein wenig … Also wie gesagt, ein wenig unspektakulärer und dafür ein bisschen echter – täten dem Roman gut.

>Manchmal glaube ich, dass jeder von uns früher an einem anderen Ort gelebt und ein ganz anderes Leben geführt hat. Und aus irgendwelchen Gründen haben wir das alles vollkommen vergessen und leben jetzt, ohne davon zu wissen.<

So – der andere Strang >Das Ende der Welt<, das ist wieder der Murakami, das was er kann, ruhig, ausgeglichen, leise – diese Welt liest sich insgesamt besser und ist die rein unbewusste Ebene des Protagonisten, dorthin muss er fliehen und es dauert recht lange, bis dieser das kapiert, der Leser ist ihm da schon einige Schritte voraus.

>Die Gestalt der Welt hängt ab von der Art und Weise, wie sie gesehen wird.<

Zum Schluss obwohl beide Stränge nie zusammen kommen, hat man dennoch ein tolles Leseerlebnis, weil sie sich ineinander fügen – er kann nicht außerhalb seiner begrenzten Welt leben!

> “Kann ich auch mit hinein in deine begrenzte Welt?“ […] „Jeder kann hinein, und jeder kann sie wieder verlassen […] Nur bitte beim Hereinkommen die Schuhe gut abtreten, und beim Verlassen die Türe schließen.“<

Da man am Ende noch einige Tage das Gelesene durch den Kopf gehen lässt, weil man noch mit den Gedankengängen spielt, erhält der Roman von mir 4 Sterne, auch wenn mir der Part >hard-boiled wonderland< so gar nicht gefallen hat.

>Was man gibt, stimmt nicht mit dem überein, was der andere braucht.<

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4 Gedanken zu “„Hard-boiled Wonderland“ von Haruki Murakami

  1. andreamaluga schreibt:

    Vielen Dank für Deine Rezension. Ich lese gerade „meinen“ ersten Murakami (den neuesten) und bin einerseits fasziniert von der ungewöhnlichen Schreibart, die Langsamkeit, die leisen Töne, die klugen Gedanken. Andererseits zwingt er mich zur Konzentration, weil ich oft den Faden verliere. Aber ich denke gern über das Gelesene nach, so wie Du. Alles in allem keine leichte Kost.

      • andreamaluga schreibt:

        ich tu mein bestes… außerdem lese ich noch den hundertjährigen (der aus dem fenster stieg…), was ein bisschen schwierig ist, weil ich vor kurzem den film sah. der spaß ist irgendwie dadurch verloren gegangen. die alte weisheit: erst das buch, dann den film hat schon seine berechtigung 😉

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