„Die Erfindung des Lebens“ von Hanns-Josef Ortheil


Es hätte ein richtig guter Roman werden können …

Johannes, der Protagonist, wäre eigentlich der fünfte Sohn seiner Eltern gewesen, doch alle vier Brüder starben kurz nach dem Krieg, er ist der einzige Sohn seiner Mutter geblieben, die auf dieses Schicksal mit Stummheit reagiert. Und so schweigt sie ihren Sohn an, verlebt mit ihn in Köln eine sehr ruhige Kindheit, die sich nur zwischen der Wohnung und kurzen Einkäufen, oder kurzen Spaziergängen an den Rhein bewegen. Völlig in sich gekehrt erlebt der Protagonist dann das allabendliche Ritual, wenn sein Vater nach Hause kommt, am Wasserhahn trinkt und die Zettelchen der Mutter gelesen werden.

In dieser stillen Zeit bleibt auch Johannes stumm, das ändert sich erst als er eingeschult wird und man ihn aufgrund dessen in der Schule moppt und triezt. Da erst schreitet der Vater ein, nimmt seinen Sohn von der Schule, fährt mit ihm, ohne die Mutter, in seinen Heimatort und dort erst erfährt Johannes was Leben wirklich heißt … Es dauert auch nicht lange bis er anfängt zu schreiben, zu lesen und dann auch zu sprechen. Er lernt schwimmen, er lernt zu leben …

Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich das Buch sehr gerne gelesen, denn Ortheil erzählt ganz eindringlich, die Geschichte von Johannes, die vielleicht auch die seine ist. Als dann der Roman immer mehr aus der römischen Perspektive geschildert wird und sich der Erzähler ständig in die Handlung einmischt, nein vielmehr die Handlung erklärt, wird der Roman teilweise zur Farce. Die Erzählung hat keinen Fluss mehr, der Leser wird ständig vom schmökern abgehalten und belehrt, dabei könnte man diese Geschichte so wunderbar erzählen – fließen lassen –schade drum!

btb Verlag, Random House 2011
ISBN: 978-3-442-73978-3

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