„Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ von Joël Dicker


Was für eine Geschichte!

Also eigentlich ist das Genre „Krimi“ gar nicht mein Fall, und aus diesem Grund ist das Buch auch letzten Jahr völlig an mir vorbeigegangen. Doch vor ein paar Wochen lief auf 3SAT eine Sendung mit Max Moor über Schweizer Autoren, in dieser rannte Herr Moor die ganze Zeit mit diesem dicken Schinken durch die Gegend. Zudem las eine sehr angenehme Stimme aus den Passagen „Schriftstellerregeln“ vor, die Ironie, die mir da entgegen sprang und der sehr sympathische Autor veranlasste mich nun, dieses Buch zu lesen.

Es liest sich ja wie nichts – einfach so, fast von selber, ich konnte gar nicht mehr aufhören, schon am ersten Abend im Bett, raff-zaff waren knapp hundert Seiten weg. Diese 750 Seiten habe ich in meiner Rekordzeit gelesen, wow – und das sagt doch schon so einiges über das Buch, oder? Genau ein Pageturner!

Da das Buch so bekannt ist wie die bunte Kuh, brauche ich ja nichts mehr darüber zu schreiben. Ich wollte vielmehr auf ein paar Kritikpunkte eingehen:

Der Fabelhafte und die Allerbeste, zwei Begriffe, die so manch einen Leser mit der Zeit genervt haben. Dabei sind diese Begriffe köstliche Allegorien, die die Ironie und den Humor des Autors spiegeln. Denn der Fabelhafte ist ja alles andere als fabelhaft, ebenso sein großes Vorbild. Beides sind Blender, die nur nach außen fabelhaft scheinen. Zum Schluss wird dann aus dem Fabelhaften tatsächlich ein Fabelhafter. Mit der Allerbesten verhält es sich genauso, wobei ich dann, da es auch erst später im Roman erscheint, direkt wusste, ah so allerbest wird sie wohl nicht sein … Also ich mochte diese Wortspielchen.

Die ganzen Wiederholungen – oder ein Zeichen von Authentizität? Ist es nicht so, dass ein ungelöster Fall von der Polizei ständig wieder gekaut werden muss. Dass alle Mosaiksteinchen immer wieder auf den Tisch gelegt werden müssen, denn irgendwas hat man übersehen, um den Fall zu lösen … Also ich habe das nicht als sonderlich störend empfunden, man kann ja auch Passagen, Textbausteine, überspringen.

Es wird zu dick aufgetragen. Oh ja, der dritte Teil kam mir beim Lesen so vor. Ich dachte mir, jetzt übertreibt er aber ein wenig, och nö das muss jetzt nicht sein – doch als ich dann das letzte Kapitel las, kam der Aha-Effekt! Ähnlich wie beim Film „Der Clou“ mit Robert Redford … Diese Wendung gibt der Geschichte ihren letzten Schliff – der Roman ist so rund wie ein Ball. Na klar ein Konstrukt, aber ein großartiges. Er hat mich umgeworfen, ich war fasziniert und hell auf begeistert. Bitte lesen!

Piper Verlag München 2013
Übersetzung: Carina von Enzenberg
ISBN: 978-3-492-05600-7

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2 Gedanken zu “„Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ von Joël Dicker

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