„Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Haruki Murakami


Nicht nur Herr Tazaki ist farblos.

Auch der Roman ist von einer tiefen Unscheinbarkeit geprägt, man kann es fast schon mit Lethargie umschreiben.  Die Figuren sind blass, fast leblos, und dieses Gefühl schlägt sich auch auf die Handlung nieder. Der Protagonist nennt es selber „Leere“, und diese Leere soll ja wirklich in Japan das fünfte Element sein. Nur ein Gefäß, eine äußere Hülle, in welches andere Menschen Inhalte einfügen können. Aber wäre es das, was uns der Autor vermitteln möchte, dann wäre das Konzept erfolgreich …

Herr Tsukuru Tazaki ist 36 Jahre alt, lebt in Tokio in einer zwei Zimmerwohnung, die ihn sein Vater vererbt hat, arbeitet als Ingenieur bei einer Bahngesellschaft, die Bahnhöfe baut und instand hält. Seit kurzer Zeit hat er eine Freundin, Sara, die mit ihm evtl. eine längere Beziehung eingehen möchte, wenn da nicht diese Leere wäre …

So, das ist nun der Punkt, warum Tazaki nach 16 Jahren in seine Vergangenheit zurückreisen soll und gleichzeitig auch der Knackpunkt, warum der Roman nicht aufgeht.

Denn in seiner Jugend war er einer von Fünf. Fünf Freunde, eine verschworene Gemeinschaft, zwei Mädchen und drei Jungs, und eines Tages stößt man ihm aus dieser Gruppe aus! Ohne Begründung lässt man ihm sagen, dass er sich nicht mehr melden solle – den Grund wüsste er. Weiß er aber nicht …

>>Dass der Fluss der Zeit all unsere fabelhaften Möglichkeiten mit sich fortgetragen hat und sie nun verschwunden sind.<<

Für mich ist diese Geschichte nicht wirklich nachvollziehbar. Und vielleicht hat Stefan Zweifel damit Recht, wenn er sagt, sie wäre sehr japanisch, denn ich kann es mir nicht vorstellen, das diese Geschichte so bei uns geschehen wäre. Unvorstellbar ist für mich einfach der Tatbestand, dass man nicht nachfragt, dass man es so hinnimmt und sich quasi für andere aufopfert ohne den Hergang zu verstehen.

An Tiefe oder Farbe gewinnt der Roman erst dann als Tsukuru und Eri in Finnland miteinander sprechen. Und so lässt mich dieser Roman mit der Unentschlossenheit zurück, dass es sich entweder um einen schlechten Roman handelt oder ich aufgrund meiner Kultur einen anderen Zugang zum Geschehen habe …

DuMont-Verlag Köln 2014

Übersetzung: Ursula Gräfe

ISBN: 978-3-8321-9748-3

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2 Gedanken zu “„Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Haruki Murakami

  1. Bücherphilosophin schreibt:

    Diesen Roman habe ich noch auf den SuB liegen – mein erster von Murakami.
    Bisher hatte ich so meine Schwierigkeiten mit japanischen Autoren. Der Erzählstil ist irgendwie ganz anders, als ich es von europäischen und amerikanischen Schriftstellern gewohnt bin – einmal habe ich deshalb sogar abgebrochen. Ich hoffe natürlich, dass ich mit Murakami mehr Glück haben werde.

    LG, Katarina 🙂

    • Krümel schreibt:

      Hallo Katarina.
      Ich habe von Murakami schon so einige Bücher gelesen, und war eigentlich immer begeistert. Vielleicht bin ich jetzt auch ein wenig strenger gewesen, denn man erwartet von einem Lieblingsautor eben mehr 😉
      LG Heidi

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