„Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen


Ein packender Roman!

Direkt vom ersten Kapitel bekam ich eine Gänsehaut, noch nie hatte ich so eindringlich eine Beschreibung einer Kriegsszenerie gelesen. Es flogen Arme, Beine und andere Körperteile durch die Luft, die mir beim Lesen auch oft weg blieb. >Wenn das so weiter geht<, dachte ich mir > dann werde ich das Buch über Monate hinweg lesen müssen!< Denn ich konnte nicht schlafen nach diesem Kapitel.

Für E. war die Kanonenkugel ein Ungeheuer mit einem eigenen freien Willen. Es zeigte ihm, was Krieg bedeutete, und das waren keine Standbatterien, die in die Luft flogen, und keine Zinnsoldaten auf der Flucht. Ein Drache fauchte heiß auf sein blankes Herz.

Jensen beschreibt dies, und viele weitere Szenen im Buch, so unmittelbar und direkt, weil er eine seltene Erzählform wählt. Die Marstaler Seeleute, ein Küstenort an der Ostsee von Dänemark, sind die Hauptfiguren des Romans. Und in ihrer Gemeinschaft erhalten sie das „Wir“, in dem sich der Leser so wunderbar einreihen kann. Das Wir erstreckt sich über 100 Jahre Seefahrt, von 1842 bis Ende des II. Weltkriegs.

Wir wissen mehr über dich als du selbst. Wir haben dich gesehen, und wir haben mehr gesehen als das, was sich dir im Spiegel zeigt.

Ein Leitmotiv im Buch ist das Umkreisen des Begriffs der „Härte“. Die Härte des Meeres, wenn die Seefahrer in Stürme oder totaler Windstille geraten, die Härte des Wartens der Mütter und der werdenen Witwen, und die Härte der Männer, die jegliches Gewissen über Bord werfen müssen, um der Härte gerecht zu werden.
Es geht auch um den technischen Fortschritt und es ist auch ein Buch über den Tod …

Die ganze Welt bewege sich vorwärts wie ein Schiff auf See, und die Insel sei lediglich ein solches Schiff im endlosen Meer der Zeit auf dem Weg in die Zukunft.

Im letzten Drittel, ab dem Kapitel „Die Heimkehr“, hat das Buch dann seine Längen. Albert und Knud sind sich so ähnlich, zum verwechseln ähnlich, so dass man die Geschichten nicht als Geschichte der Geschichte liest, alles vermischt sich, wird einerlei. Es wiederholt sich, so wie sich Geschichte ständig wiederholt. Dies ist bestimmt so gewollt, bricht aber die Spannung.

Carsten Jensen (* 24. Juli 1952 in Marstal auf Ærø) ist ein dänischer Schriftsteller und Professor für Kulturanalyse an der Humanistischen Fakultät der Süddänischen Universität. Er verfasste bisher vier Romane sowie einige Reiseerzählungen und etliche Essays. Sein bisher erfolgreichster Roman ist das 2006 erschienene Werk „Vi, de druknede“, das auf Deutsch unter dem Titel „Wir Ertrunkenen“ herausgegeben wurde. In Dänemark war der Roman mit 120.000 verkauften Exemplaren ein überragender Erfolg. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und bislang in 10 Sprachen übersetzt. Erzählt wird darin stellvertretend für die Geschichte des modernen Dänemark die Geschichte seiner Geburtsstadt Marstal. (Auszug aus Wikipedia)

Fazit: „Wir Ertrunkenen“ habe ich gerne gelesen und auch für Schneckenleser recht flott, weil das Buch über weite Teile sehr spannend ist. Zu Beginn fällt eine sehr markante Sprache ins Auge, die sich im Laufe des Romans verliert.

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